Ein kaputter Kanal bedeutet heute nicht mehr automatisch Bagger im Vorgarten. Mit dem Inliner oder dem Kurzliner lässt sich das Rohr von innen reparieren – ohne aufgerissene Wege, ohne zerstörtes Pflaster. Bleibt die Frage: Was zahlen Sie dafür? Pauschale Zahlen bringen Ihnen wenig, denn der Preis hängt vor allem an Länge und Erreichbarkeit des Schadens. In diesem Ratgeber erfahren Sie, was den Preis tatsächlich bestimmt – und wie Sie am Ende beurteilen, ob die Rechnung stimmt.
Kurzliner oder Schlauchliner: Welches Verfahren wofür?
Beide zählen zur grabenlosen Kanalsanierung, sind aber für unterschiedliche Schäden gedacht. Der Kurzliner ist ein kurzes, mit Harz getränktes Stück, das man punktgenau an eine einzelne Schadstelle setzt – etwa an einen Riss, eine undichte Muffe oder ein kleines Loch. Das Material wird an die richtige Stelle geschoben, aufgeblasen und härtet dort aus. Anschließend ist genau dieser Bereich wieder dicht, während der Rest der Leitung so bleibt, wie er war.
Die Inliner- oder Schlauchliner-Sanierung greift größer: Ein harzgetränkter Schlauch wird über eine komplette Rohrstrecke eingezogen, an die Wand gedrückt und ausgehärtet. Am Ende steht ein neues Rohr im alten – nahtlos über mehrere Meter. Das lohnt sich, wenn die Leitung auf längerer Strecke mehrere Schäden hat. Welches Verfahren passt, entscheidet sich übrigens nicht am Telefon, sondern erst nach der Kamerafahrt.
Kurzliner und Schlauchliner gegenübergestellt
Kurzliner
- Für einzelne Schäden – ein Riss, eine Muffe, ein kleines Loch
- Es wird nur der kaputte Abschnitt saniert
- Weniger Arbeitszeit vor Ort
- Passt, wenn die restliche Leitung in Ordnung ist
Schlauchliner / Inliner
- Für längere Abschnitte mit mehreren Schäden
- Nahtloses neues Rohr über die gesamte Strecke
- Fängt Engstellen und alte, poröse Leitungen mit ab
- Mehr Aufwand, dafür eine langfristige Lösung
Ohne Kamera kein Preis: So läuft die Sanierung ab
Am Anfang steht immer die Diagnose. Denn einen ehrlichen Preis kann niemand nennen, ohne zu wissen, wie lang der Schaden ist, wo er sitzt und ob sich das Rohr überhaupt für ein Liner-Verfahren eignet. Bei uns fährt Roland Appel als Inhaber selbst raus und sieht sich den Fall vor Ort an – so entsteht die Basis für ein tragfähiges Angebot.
So läuft es normalerweise
- HochdruckspülungAls Erstes wird die Leitung ordentlich durchgespült. Ablagerungen und Wurzeln müssen raus, sonst liefert die Kamera kein brauchbares Bild und der Liner klebt später nicht sauber an der Rohrwand.
- TV- und Kamera-InspektionEine Kamera fährt durchs Rohr und hält jeden Riss und jede Muffe fest. Erst danach ist klar, ob ein Kurzliner genügt oder die ganze Strecke dran muss.
- Verfahren und Angebot festlegenAnhand der Aufnahmen zeigt sich, welches Verfahren passt und was es kostet. Sie sehen die Schadstelle im Video und wissen genau, wofür Sie zahlen.
- Einbau und AushärtungDer Liner wird eingezogen, angepresst und härtet aus. Zum Schluss folgt noch eine Kamerafahrt zur Kontrolle – als Beleg, dass alles wieder dicht ist.
Was den Preis tatsächlich bestimmt
Warum kostet die eine Sanierung mehr als die andere, obwohl beide grabenlos ablaufen? Das hängt an ein paar Faktoren, die den Aufwand vorgeben. Wenn Sie die kennen, können Sie ein Angebot einordnen und erkennen, ob die Rechnung Hand und Fuß hat. Die Tabelle unten zeigt die wichtigsten Preistreiber – bewusst ohne Zahlen, weil jeder Kanal anders liegt.
Preistreiber bei der Kanalsanierung
| Was den Preis beeinflusst | Wirkung | Woran Sie es erkennen |
|---|---|---|
| Länge der Schadstelle | Ein Kurzliner für einen Punkt ist günstiger als ein Schlauchliner über mehrere Meter | Die Kamerafahrt zeigt, wie viel Rohr betroffen ist |
| Zugänglichkeit der Leitung | Ein gut erreichbarer Schacht spart Aufwand, verbaute oder tiefe Leitungen kosten mehr | Wo liegt die Reinigungsöffnung, wie tief steckt der Kanal |
| Rohrdurchmesser und Verlauf | Bögen, Verjüngungen und Übergänge machen den Einbau aufwendiger | Der Verlauf wird bei der TV-Inspektion sichtbar |
| Vorreinigung nötig | Bei starken Ablagerungen braucht es vorab eine intensive Hochdruckspülung | Fett, Wurzeln oder Inkrustationen im Kamerabild |
| Notdienst statt Termin | Ein akuter Rückstau außerhalb der regulären Zeiten kostet mehr als geplante Arbeit | Läuft es schon über, oder bleibt Zeit für einen Termin |
Preistreiber, keine Preise – die konkrete Höhe hängt vom Einzelfall ab und wird nach der Kamerafahrt genannt.
In einem sauberen Angebot steht drin, was wirklich anfällt: Spülung, Kamerafahrt, das Liner-Material, der Einbau und die Abschlusskontrolle. Fragen Sie im Zweifel nach, was der Festpreis abdeckt und was extra berechnet wird – zum Beispiel eine intensive Vorreinigung, falls sich beim Spülen zeigt, dass der Kanal stärker verstopft ist als angenommen.
Wer einen Pauschalpreis nennt, ohne den Kanal je gesehen zu haben, rät nur.
Die Vorteile der grabenlosen Sanierung
Kein umgegrabener Garten, keine wochenlange Baustelle. Bei der klassischen offenen Bauweise muss der Boden über der Leitung aufgerissen und danach wieder in Ordnung gebracht werden – das dauert und verursacht zusätzliche Wiederherstellungskosten. Die Liner-Verfahren arbeiten von innen, über die vorhandenen Schächte. Besonders bei Leitungen unter Pflaster, Terrassen oder gewachsenen Bäumen zahlt sich das aus.
Auch für die Umwelt bringt das etwas. Weniger Erdaushub heißt weniger Materialtransport und weniger Eingriff in den Boden. Und ein saniertes, dichtes Rohr sorgt dafür, dass kein Abwasser ins Erdreich sickert und kein Grundwasser in die Leitung drückt. Nicht zuletzt geht die grabenlose Sanierung meist schneller – je nach Umfang oft an einem einzigen Arbeitstag.





